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„Ungleiche Gesundheitschancen" ist das Thema des Wirtschaftsfestivals 2017

Vom 1. bis 4. Juni in Trient

„Ungleiche Gesundheitschancen“ ist das Thema, das Ökonomen, Wissenschaftler und Fachleute aus der ganzen Welt anlässlich des 12. Wirtschaftsfestivals Trient vom 1. bis 4. Juni 2017 diskutieren werden. „Was den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung der Menschen anbelangt“, schreibt Tito Boeri, der wissenschaftliche Leiter des Festivals, in seiner Präsentation, „bestehen zuweilen markantere Unterschiede als beim Einkommensniveau. Das Durchschnittseinkommen beispielsweise in Gabun entspricht – bei Kaufkraftparität – mehr als einem Drittel des Durchschnittseinkommens in den Vereinigten Staaten, in Gabun sterben jedoch 5 von 100 lebend geborenen Kindern bereits im ersten Lebensjahr, während diese Zahl in den Vereinigten Staaten bei 5 von 1000 liegt. Selbst innerhalb der Vereinigten Staaten gibt es große Unterschiede bei der Lebenserwartung: in den ländlichen Gebieten – denen Donald Trump seinen Wahlsieg verdankt – liegt die durchschnittliche Lebenserwartung 30 Jahre unter jener der in Großstädten lebenden Bevölkerung. Auch die Genderunterschiede werden zunehmend deutlich: Frauen leben länger als Männer, sie leiden allerdings häufiger an Krankheiten, die mit Schmerzen und Invalidität einhergehen.“

 

„Die Lebensbedingungen, die Ernährung und die Gesundheitsvorsorge werden von vielerlei Faktoren wie Kultur, Umwelt, Gesellschaft und Beruf maßgeblich beeinflusst“, schreibt Boeri. „Die wirksamsten Therapien sind bei manchen Krankheiten auch für sehr großzügige staatliche Gesundheitssysteme schlichtweg zu teuer. In der Diskussion über die soziale Mobilität – ein Thema, das in den früheren Ausgaben des Festivals behandelt wurde – wird überwiegend die Position der Menschen innerhalb der Einkommensskala analysiert, dabei wird außer Acht gelassen, dass ein wesentlicher Aspekt der Chancengleichheit gerade die Möglichkeit der gesunden Lebensführung und des aktiven Alterns ist. Die Maßnahmen der öffentlichen Hand in diesem Bereich sind von größter Bedeutung, denn das Schaffen von günstigen Bedingungen für eine gesunde Lebensführung zieht auch einen wichtigen sozialen Nutzen nach sich. Allerdings verfolgt die öffentliche Hand nicht immer diese positiven externen Effekte und neigt dazu, sich auf die Folgen anstatt auf die Ursachen vieler Volkskrankheiten zu konzentrieren. Der Grundlagenforschung im biomedizinischen Bereich, deren Ergebnisse die Lebensqualität von Milliarden Menschen verbessern könnte, wird viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.“ Die Gesundheitssysteme befassen sich laut Boeri nur selten mit der Frage des „Moral Hazard“, d. h. die flächendeckende Gesundheitsversorgung verringert paradoxerweise die Bereitschaft der Personen zur gesunden Lebensführung, welche das Risiko einer häufigen Inanspruchnahme ärztlicher Behandlungen minimieren würde. Bessere Kenntnisse in Bezug auf Gesundheitsrisiken und Therapiemöglichkeiten wären der gesunden Lebensführung förderlich, ohne Mehrkosten zu verursachen, und würden dem Phänomen der stillschweigenden oder entmutigten Patienten entgegenwirken, die die verfügbaren Gesundheitsleistungen nicht optimal nutzen, weil sie über die Dienstleistungen und die eigenen Rechte unzureichend informiert sind. „All diese Beispiele beziehen sich auf Themen“, betonte der wissenschaftliche Leiter des Festivals abschließend, „über die die Ökonomen eingehend diskutieren können.“ Wie auch in den vergangenen Ausgaben des Festivals werden sich die Wissenschaftler mit Experten anderer Disziplinen austauschen. Heuer liegt der Schwerpunkt allerdings bei den Naturwissenschaften, auf die schließlich die außerordentlichen medizinischen Fortschritte der vergangenen fünfzig Jahre zurückzuführen sind.

Das genaue Programm des 12. Wirtschaftsfestivals, welches mit der Unterstützung der Autonomen Provinz Trient, der Gemeinde Trient und der Universität Trient organisiert und vom Verlagshaus Laterza erarbeitet wird, wird wie üblich einige Wochen vor Beginn des Festivals vorgestellt werden. (fm)